Cats And Dogs
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Annie, meine Annie...
(† 11.05.2012)


Die Sache der Tiere
steht für mich höher
als die Sorge,
mich lächerlich zu machen.
Sie ist unlösbar verknüpft
mit der Sache des Menschen,
und zwar in einem Maße,
dass jede Verbesserung in
unserer Beziehung zur Tierwelt
unfehlbar einen Fortschritt
auf dem Wege zum
menschlichen Glück
bedeuten muss!


Emile Zola

 

 

 

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Wellensittich mit besonderem Förderbedarf

Seit Januar 2024 wohnen hier 2 Wellensittiche. Genau genommen erst mal nur einer. Er sollte flugunfähig sein und der Züchter machte keinen Heel daraus, dass solche Tiere ... beseitigt werden, wenn sich niemand findet. In der Voliere können sie sich tatsächlich ja auch sehr verletzen bzw. haben kaum eine Chance, ein gutes Leben zu führen. Also: eingepackt das Tier, Notkäfig aus dem Keller geholt und Blubi einquartiert. Er konnte alles mögliche NICHT, aber fliegen - das konnte er nach 2 Anläufen.

Nun weiß inzwischen (fast) jeder, dass die Einzelhaltung von Schwarmvögeln wie Wellensittichen Tierquälerei ist. Das ist so wie mit den Kaninchen... und den Meerschweinchen... und was wir in Kindertagen noch so alles einzeln in Käfigen sitzen hatten. Also ich ja nicht, aber die Kinder mit den verständnisvollen Eltern. Ich durfte dann immerhin einen Wellensittich haben, da war ich 10, und die Frage nach einem Partnertier stellte damals kein Mensch. Im Gegenteil, man hing den armen Tieren sogar noch Plastikvögel in den Käfig oder einen Spiegel, damit "sie sich unterhalten können". Nun gut, wir sind gereift. Also sollte Blubi einen Kumpel bekommen. Obwohl Blubi Boy zumindest für Hirsekolben schon recht zuverlässig auf die Hand kam, wollte ich nicht noch so einen armen Volierenvogel, der mit Kächer eingefangen wird und noch nie viel mit menschlichen Händen zu tun hatte, weil ich dachte, der Neue steckt den "Alten" dann vielleicht wieder mit dieser Scheuheit an. Da las ich "Nestjung" und "Handaufzucht" in einer Anzeige, und fuhr bis nach Apolda (das sind. ca. 90 km), um an mein zweites Vogeltier zu kommen.

Am Anfang dachte ich, Blubi ist ein kleiner Autist.Er hat definitiv keine Angst vor meiner Hand, so richtig Spaß hat er aber auch nicht mit mir. Auch als Paulchen 4 Wochen später einzog,
hat Blubi sich tagelang als sehr reserviert gezeigt und großen Abstand zwischen sich und einem liebevoll aufdringlichen Paulchen sofort wieder hergestellt, indem er immer weiter weg rutschte und im Notfall auch mal forsch schimpfend nach vor stampfte. Ach, dachte ich, jetzt hab ich meinem armen, kleinen Autisten eine treudoofe, anhängliche Handaufzucht vor die Krallen geworfen und nun wird er lebenslang unglücklich sein!? Gut aber immerhin hätte ich ja dann Spaß mit der Handaufzucht. Weit gefehlt. Die Handaufzucht hat ebenfalls keine Angst vor Händen - drauf sitzen möchte er aber auch nur, wenn feinstes Futter eine Rolle dabei spielt. Nach einigen Tagen, nachdem klein Paulchen dem Autisten-Welli vehement und schnurstracks überall hin folgte und immer wieder versuchte, ihn zu bezirzen, ist Blubi eingefallen, dass er dem Autismuspektrum nicht mehr länger fröhnen will und die beiden teilen Käfig, Freiflug, Vogelbaum und - sehr selten mal die Vogelmama. Und dann bitteschön mit Kolbenhirse!



Während Blubi ein wirklich intelligenter kleiner Vogel ist, der zuverlässig 16.15 Uhr in den Käfig zurückkehrt, um gemütlich zu Abend zu essen, zu "duschen" und heija zu machen, zeigt sich Paulchen als Welli mit besonderem Förderbedarf. Er hat das Glück, dass er sich die entscheidenden Dinge vom großen Bruder abschauen kann. So folgt er ihm vom ersten Tag an zurück in den Käfig - so wie er ihm ja ohnehin überall hin folgt. Aber heute habe ich wieder beobachtet, wie er, außen auf dem Käfig rotiert und mit gierigem Blick IN den Käfig zum fressenden Blubi vergessen zu haben schien, wie er in denselben hinein gelangt. Er saß schon 2 mal auf der Eingangstür und irgendjemand hatte offenbar dort ein unsichtbares Schild aufgestellt, in Wellisprache, auf dem stand: Betreten verboten! Oder so ähnlich. Er kletterte seitlich und versuchte, von außen an den Fressnapf zu kommen. Dann hing er plötzlich über Kopf an der Eingangstür und nach 4 Versuchen, doch von außen irgendwie ans Futter zu kommen, spazierte er wie selbstverständlich in den Käfig zu Bruder Blubi. Bei dem ist klar, dass er Abitur machen wird. Aber Paulchen? Der hat BESONDEREN FÖRDERBEDARF!

Und ich? Ich hab zwei Sittiche, die keine Angst vor mir haben (das würde man scheu nennen), ab und an auf die Hand kommen, wenn es was Leckeres gibt (das nennt man zutraulich), ansonsten aber nicht viel mit mir zu tun haben wollen. HANDZAHM ist also eine Dimension, die ich mir noch erarbeiten muss. *stöhn*


Betty 07.03.2024, 18.45

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Es gibt keine absolute Grenze, keinen unueberbrueckbaren Graben zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren. Nicht evolutionaer, nicht genetisch, nicht hinsichtlich bestimmter Errungenschaften der Evolution, und auch nicht moralisch. (Roger Fonts)